„Was ist, wenn ich nicht mehr aufwache?“ – „Kann mich jemand zu etwas bringen, das ich nicht will?“ – „Ist das überhaupt ungefährlich?“
Diese Fragen höre ich häufig, und sie sind berechtigt. Die meisten Anbieter beantworten sie mit einem knappen „Hypnose ist völlig sicher“. Das ist zu einfach. Hypnose ist für die allermeisten Menschen unbedenklich – aber es gibt Situationen, in denen sie nicht angewendet werden sollte, und es gibt echte Risiken. Beides finden Sie hier.
Die kurze Antwort
Hypnose ist ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, den jeder Mensch aus dem Alltag kennt – vertieft in ein Buch, versunken beim Autofahren auf bekannter Strecke. Nichts daran ist künstlich oder fremd.
Die Gefahr liegt nicht im Zustand, sondern in der Anwendung. Entscheidend ist, wer sie durchführt, bei wem, und mit welchem Anliegen. Ein Werkzeug ist so sicher wie die Hand, die es führt.
Was in Hypnose nicht passiert

Drei hartnäckige Vorstellungen stammen aus Bühnenshows und Filmen – nicht aus der Praxis.
Sie werden nicht willenlos. Sie bleiben ansprechbar und können jederzeit abbrechen. Suggestionen, die Ihren Werten widersprechen, werden schlicht nicht angenommen.
Sie bleiben nicht „hängen“. Ohne Rückführung endet der Zustand von selbst – man wird wach oder schläft ein und wacht normal auf.
Sie verraten keine Geheimnisse. Sie entscheiden weiterhin, was Sie sagen. Hypnose ist kein Wahrheitsserum.
Welche Nebenwirkungen tatsächlich vorkommen
Sie sind selten und meist kurz, aber sie existieren:
- Kopfschmerzen oder ein schweres Gefühl im Kopf
- leichter Schwindel beim Aufstehen
- Müdigkeit für einige Stunden danach
- lebhafte oder unruhige Träume in der folgenden Nacht
- Aufkommen unerwarteter Gefühle oder Erinnerungen
- ein kurzes Gefühl von Benommenheit oder Unwirklichkeit
Untersuchungen deuten darauf hin, dass solche Begleiterscheinungen nicht häufiger auftreten als bei anderen Entspannungsverfahren. Deutlich häufiger beobachtet wurden sie hingegen bei Showhypnose – also dort, wo es um Wirkung vor Publikum geht statt um den Menschen.
Wann Hypnose nicht angewendet werden sollte
| Situation | Einordnung |
|---|---|
| Psychotische Erkrankungen, akute Wahnsymptome | keine Anwendung |
| Akute manische Phase | keine Anwendung |
| Akute Suizidgedanken oder schwere Krise | keine Anwendung – zuerst ärztliche Hilfe |
| Ausgeprägte dissoziative Störungen | nur in spezialisierter Behandlung |
| Unter Alkohol- oder Drogeneinfluss | keine Anwendung |
| Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung, instabil | vorher ärztlich abklären |
| Epilepsie | vorher ärztlich abklären |
| Demenzielle Erkrankung | meist nicht geeignet |
| Kinder unter etwa acht Jahren | nur altersgerecht und fachlich begleitet |
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Schwangerschaft: Sie ist keine Gegenanzeige. Hypnotische Verfahren werden in der Geburtsvorbereitung sogar gezielt eingesetzt – siehe Geburtsvorbereitung mit HypnoBirthing.
Wenn Sie sich in einer der Zeilen wiederfinden, heißt das nicht, dass Ihnen nicht geholfen werden kann. Es heißt nur: nicht auf diesem Weg und nicht im Alleingang.
Die eigentliche Gefahr: fehlende Qualifikation

In Deutschland ist die Bezeichnung „Hypnotiseur“ nicht geschützt. Ein Wochenendkurs genügt, um damit zu werben. Das ist das größte reale Risiko – größer als jede Nebenwirkung.
Was dabei schiefgehen kann, hat wenig mit Trance zu tun und viel mit fehlendem Fachwissen: eine übersehene Depression, die als „Blockade“ behandelt wird. Eine unerkannte Angststörung, bei der Konfrontation ohne Vorbereitung stattfindet. Ein Trauma, das berührt wird, ohne dass jemand auffangen kann.
Woran Sie Qualifikation erkennen und welche Versprechen dagegen sprechen, lesen Sie im Beitrag Was kostet eine Hypnose-Sitzung.
Drei Anwendungen, bei denen besondere Vorsicht gilt
Aufdecken von Erinnerungen. Unter Hypnose entstehende Bilder wirken lebhaft, ohne deshalb zutreffend zu sein. Angebote, die versprechen, Verdrängtes ans Licht zu holen, sollten Sie meiden. Mehr dazu im Beitrag Rückführung mit Hypnose.
Arbeit an Traumafolgen. Hier braucht es ein strukturiertes Vorgehen mit Stabilisierung am Anfang – siehe Kindheitstrauma erkennen und verarbeiten.
Showhypnose. Unterhaltung vor Publikum verfolgt andere Ziele als Hilfe. Genau dort wurden Begleiterscheinungen am häufigsten beobachtet.
Worauf Sie bei Audio-Programmen achten sollten

Auch für Anwendungen zu Hause gelten Regeln – auch für die von Dr. med. Dieter Eisfeld, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie:
- Niemals beim Autofahren oder bei einer Tätigkeit, die Aufmerksamkeit verlangt
- Nicht anwenden, wenn eine der oben genannten Gegenanzeigen zutrifft
- Beenden, wenn es unangenehm wird – das ist kein Scheitern, sondern richtig
- Bei laufender Behandlung kurz mit der behandelnden Praxis sprechen
- Ein Audio ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung – es kann nicht sehen, wie es Ihnen geht
👉 Kostenlose Hypnosen zum Ausprobieren – wenn Sie zunächst prüfen möchten, wie Sie darauf reagieren
👉 „Der sichere Ort“ – eine Stabilisierungsübung, die auch in Praxen eingesetzt wird
Wer Ihnen sagt, Hypnose habe keinerlei Risiken, hat sich entweder nicht damit befasst – oder möchte etwas verkaufen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Die genannten Audio-Programme dienen der Entspannung und persönlichen Weiterentwicklung und ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Praxis.
