Ein plötzlich rasendes Herz, Engegefühl in der Brust, Atemnot, das Gefühl zu sterben – wenn diese Symptome unerwartet auftreten, stellt sich für viele Betroffene sofort die beängstigende Frage: Ist das ein Herzinfarkt, oder „nur“ eine Panikattacke? Diese Verwechslung ist menschlich völlig nachvollziehbar, denn beide Zustände können sich im Moment des Erlebens erschreckend ähnlich anfühlen.
Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sehe ich in meiner Praxis regelmäßig Patienten, die nach einer durchlebten Panikattacke berichten, sie hätten in diesem Moment fest geglaubt, einen Herzinfarkt zu erleiden. Das ist kein Zeichen von Übertreibung – es ist eine nachvollziehbare Reaktion auf sehr reale, intensive körperliche Symptome.
Wichtiger Hinweis vorab
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose. Er kann und soll Ihnen in einer akuten Situation nicht dabei helfen, selbst zu entscheiden, ob Sie einen Notruf wählen sollten oder nicht. Im Zweifel gilt immer: Rufen Sie den Notruf 112. Es ist immer besser, einmal zu viel medizinische Hilfe zu rufen, als einmal zu wenig. Niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen, wenn sich im Nachhinein „nur“ eine Panikattacke herausstellt – im Gegenteil, das ist im Rettungsdienst und in der Notaufnahme ein häufiges und völlig normales Szenario.
Besonders dringend sollten Sie den Notruf wählen, wenn:
- die Brustschmerzen ausstrahlen (in Arm, Kiefer, Rücken oder Oberbauch)
- ein starkes Engegefühl oder Druck auf der Brust besteht, das sich anders anfühlt als bisher bekannte Angstsymptome
- Sie über 45 Jahre alt sind, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen haben, oder Herzerkrankungen in der Familie bekannt sind
- die Symptome zum ersten Mal auftreten und Sie keine bekannte Angststörung haben
- Ihnen kalter Schweiß ausbricht, Ihnen übel wird oder Sie sich extrem schwach fühlen
- Sie sich insgesamt unsicher sind
Wie sich eine Panikattacke typischerweise anfühlt
Panikattacken treten meist abrupt auf und erreichen ihren Höhepunkt innerhalb weniger Minuten. Typische Symptome sind Herzrasen oder Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Atemnot oder ein Gefühl der Erstickung, Brustschmerzen oder -beklemmung, Übelkeit, Schwindel, Kribbeln in Händen oder um den Mund, sowie ein intensives Gefühl von Kontrollverlust oder die Angst zu sterben. Charakteristisch ist, dass die Symptome meist nach 10 bis 30 Minuten von selbst abklingen, auch ohne Behandlung.
Wie sich ein Herzinfarkt typischerweise anfühlt
Ein Herzinfarkt äußert sich häufig durch einen anhaltenden, drückenden oder brennenden Schmerz im Brustkorb, der oft in Arm, Schulter, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlt. Hinzu kommen oft Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit und ein Gefühl extremer Schwäche. Wichtig zu wissen: Bei Frauen äußern sich Herzinfarkt-Symptome häufig untypischer als bei Männern – etwa als Übelkeit, Rückenschmerzen oder ungewöhnliche Erschöpfung, ohne den klassischen Brustschmerz.
Warum eine sichere Unterscheidung im Moment kaum möglich ist
Genau hier liegt das eigentliche Problem: Die Symptome überschneiden sich erheblich, und selbst geschultes medizinisches Personal verlässt sich in der akuten Situation nicht auf Bauchgefühl, sondern auf EKG und Bluttests, um einen Herzinfarkt sicher auszuschließen. Es gibt keine zuverlässige Checkliste, mit der Laien in der akuten Situation selbst entscheiden können, was vorliegt. Aus diesem Grund kann und soll dieser Artikel keine Anleitung zur Selbstdiagnose sein, sondern lediglich Verständnis für die jeweiligen Muster vermitteln – vor allem im Nachhinein, wenn ein Ereignis bereits medizinisch abgeklärt wurde.
Wenn die Abklärung eine Panikattacke ergeben hat
Wenn Sie bereits ärztlich untersucht wurden und feststeht, dass keine körperliche Ursache vorliegt, sondern wiederkehrende Panikattacken oder eine Angststörung, beginnt der eigentlich wichtige nächste Schritt: der langfristige Umgang damit. Viele Betroffene profitieren von einer Kombination aus psychotherapeutischer Begleitung und Methoden zur mentalen Selbstregulation, die helfen, die körperliche Stressreaktion gezielt zu beeinflussen.
Mein Audio-Programm „Angst & Panikattacken überwinden“ wurde speziell für Menschen entwickelt, die – nach erfolgter ärztlicher Abklärung – lernen möchten, mit der Angst vor weiteren Attacken umzugehen und ihr Nervensystem nachhaltig zu beruhigen. Auch hier gilt: Audio-Hypnose ist ein ergänzendes Werkzeug zur mentalen Entlastung, kein Ersatz für eine fachärztliche oder psychotherapeutische Behandlung bei einer diagnostizierten Angststörung.
Fazit
Panikattacken und Herzinfarkte können sich im akuten Moment erschreckend ähnlich anfühlen – und genau deshalb ist es nicht Ihre Aufgabe, das im Ernstfall selbst zu unterscheiden. Bei unklaren oder neu auftretenden Symptomen gilt immer: lieber einmal zu viel der Notruf 112 als einmal zu wenig. Erst nach fachärztlicher Abklärung lohnt sich der Blick auf den langfristigen Umgang mit wiederkehrenden Panikattacken.
→ Nach erfolgter Abklärung: Entdecken Sie „Angst & Panikattacken überwinden“ – das fachärztliche Audio-Programm von Dr. Eisfeld
