Hypnose-Risiken im Check: So erkennen Sie schwarze Schafe und unseriöse Angebote
- Dr. Dieter Eisfeld

- 19. Mai 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Jan.

Hypnose gilt in der medizinischen und psychotherapeutischen Praxis als eine sehr sichere und gleichzeitig kraftvolle Methode. Aber genau deshalb solltest du wissen: Auch wenn Trance selbst keine direkte Gefahr darstellt, können Risiken entstehen – vor allem durch unsachgemäße Anwendung oder fehlende medizinische Abklärung.
Hier bekommst du eine klare, fundierte Übersicht über mögliche Gefahren – damit du gut informiert bleibst und weißt, worauf du achten solltest:
Medizinische und psychische Kontraindikationen
In manchen Fällen ist Hypnose nicht geeignet – vor allem, wenn bereits schwerwiegende Erkrankungen vorliegen. Dann kann Trance sogar schädlich sein:
Psychotische Störungen (z. B. Schizophrenie, Wahnzustände):
Hypnose kann hier Realitätswahrnehmung weiter stören und Schübe auslösen.
Schwere Persönlichkeitsstörungen (v. a. Borderline):
In der Trance kann es zu unkontrollierten emotionalen Durchbrüchen kommen.
Epilepsie:
Die veränderten Gehirnzustände können – in seltenen Fällen – Anfälle auslösen.
Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
Nach Herzinfarkt oder Schlaganfall sollte auf Hypnose verzichtet werden. Auch starke emotionale Reaktionen in Trance können belastend sein.
Akute Suizidalität:
Hypnose darf hier nur unter engmaschiger, klinischer Betreuung stattfinden – ambulant ist das oft nicht verantwortbar.
Risiken durch Laien-Hypnose oder unsachgemäße Anwendung
Das größte Risiko entsteht dann, wenn Hypnose von Menschen ohne medizinische oder psychotherapeutische Ausbildung durchgeführt wird. Mögliche Folgen:
Retraumatisierung:
Wenn traumatische Erinnerungen ohne fachliche Stabilisierung „aufgedeckt“ werden, kann das psychisch sehr belastend sein.
Symptomverschiebung:
Wird ein Symptom wie z. B. Schmerz oder Sucht einfach „weg-suggeriert“, ohne an die Wurzel zu gehen, kann sich das Problem anderswo im Körper oder Verhalten neu zeigen.
Fehlerhafte Ausleitung:
Wenn die Trance nicht sauber beendet wird, können Benommenheit, Kopfschmerzen oder Orientierungslosigkeit danach auftreten.
Showhypnose – hohes Risiko, wenig Nutzen

Im Gegensatz zur therapeutischen Hypnose zielt Bühnenhypnose auf Showeffekte ab. Hier ist besondere Vorsicht geboten:
Psychische Überforderung:
Teilnehmer stehen unter Druck, sich vor Publikum zu „verhalten“ – das kann Scham, Stress und sogar psychische Krisen auslösen.
Körperliche Verletzungen:
Riskante Suggestionen, wie bei der bekannten „hypnotischen Brücke“, können ohne medizinische Aufsicht zu echten Verletzungen führen.
Vorübergehende Nebenwirkungen – auch bei fachgerechter Anwendung
Selbst unter professioneller Anleitung können milde, kurzfristige Reaktionen auftreten – die sind meist harmlos:
Kopfschmerzen oder Müdigkeit:
Eine natürliche Reaktion auf die intensive innere Arbeit.
Emotionale Empfindlichkeit:
Wenn tieferliegende Gefühle berührt werden, kann das vorübergehend aufwühlen – gehört aber zum Prozess und sollte therapeutisch begleitet werden.
Wie man als Laie "Schwarze-Schaffe" erkennt und nicht auf unseriöse Angebote hereinfällt

Der Begriff „Hypnose“ ist rechtlich nicht geschützt – das bedeutet leider auch: Jede*r kann sich so nennen, selbst mit nur einem Wochenendseminar im Gepäck. Umso wichtiger ist es, dass du weißt, worauf du achten solltest, wenn du dir professionelle Hilfe suchst.
Hier bekommst du eine einfache Checkliste, mit der du unseriöse Angebote schnell entlarven kannst – und erkennst, woran du echte Fachleute erkennst.
Hat der Anbieter eine Heilerlaubnis? (Das wichtigste Kriterium)
In Deutschland darf nur mit einer staatlichen Heilerlaubnis behandelt werden, wenn es um Krankheiten geht – wie z. B. Depressionen, Angststörungen oder chronische Schmerzen.
Seriös: Der Anbieter ist Arzt, Psychologischer Psychotherapeut oder Heilpraktiker. Nur diese Berufsgruppen dürfen diagnostizieren und therapeutisch behandeln.
Warnsignal: Jemand nennt sich „Hypnose-Coach“ oder „Mentaltrainer“ und bietet an, deine Depression zu heilen oder deine chronischen Schmerzen zu lösen – ohne Heilerlaubnis. Das ist nicht nur unseriös, sondern auch strafbar.
Unrealistische Heilversprechen
In der Medizin gibt es niemals eine Erfolgsgarantie – auch nicht bei Hypnose.
Seriös: Ein Profi erklärt dir ehrlich, dass Hypnose eine unterstützende Methode ist, deren Wirkung von vielen Faktoren abhängt – zum Beispiel deiner Bereitschaft zur Veränderung.
Warnsignal: Aussagen wie „In einer Sitzung angstfrei!“, „100 % Erfolgsquote“ oder „Wir heilen alles – garantiert“. Solche Versprechen sind nicht nur unseriös, sondern auch unethisch.
Transparenz bei Ausbildung und Zugehörigkeit zu Fachverbänden

Wer professionell arbeitet, zeigt offen, wo und wie er oder sie ausgebildet wurde.
Seriös: Zertifikate von Fachgesellschaften wie z. B.
Diese Verbände haben hohe Standards und fordern umfangreiche Ausbildungen.
Warnsignal: Fantasie-Titel wie „Grand Master of Hypnosis“ oder ein „Zertifikat“ von einer unbekannten Online-Akademie nach 2 Tagen. Auch Titel wie „Doktor der Hypnose“ klingen zwar beeindruckend, sind aber kein offiziell anerkannter akademischer Grad.
4. Wird vorab ein ordentliches Vorgespräch geführt?
Bevor überhaupt an Hypnose gedacht wird, muss geklärt werden, ob sie in deinem Fall überhaupt sinnvoll und sicher ist.
Seriös: Ein ausführliches Erstgespräch gehört immer dazu – mit Fragen zu deiner Vorgeschichte, deinem mentalen Zustand und möglichen Kontraindikationen (z. B. Epilepsie, Psychosen).
Warnsignal: Du sollst dich gleich auf die Liege legen, ohne dass jemand nach deinem psychischen oder körperlichen Zustand fragt. Das ist grob fahrlässig.
Faire Preisgestaltung ohne Druck
Seriös: Du bekommst einen klaren Überblick über die Kosten – in Form von Stunden- oder Sitzungssätzen, die im marktüblichen Rahmen liegen.
Warnsignal: Hohe Vorauszahlungen für „Rundum-Sorglos-Pakete“ oder Aussagen wie:„Wenn du heute nicht buchst, wirst du dich weiter verschlechtern.“Das ist emotionaler Druck und hat in der Therapie nichts verloren.
Kurz & knapp: Deine 3-Sekunden-Prüfung
Stell dir bei jedem Hypnose-Angebot diese drei Fragen:
Hat die Person eine staatlich anerkannte Heilerlaubnis (Approbation oder Heilpraktiker)?
Klingen die Versprechen realistisch – oder eher nach Wundermittel?
Gehört der Anbieter einem seriösen Fachverband an?
Wenn du bei einer dieser Fragen ein ungutes Bauchgefühl hast: Such lieber weiter.Denn: Klinische Hypnose ist kein Show-Act und keine Magie – sondern ein fundiertes psychotherapeutisches Verfahren, das mit Verantwortung und Fachwissen angewendet werden muss.
Fazit: Hypnose ist sicher – wenn du auf Fachkompetenz setzt
In den Händen eines erfahrenen Arztes oder ausgebildeten Psychotherapeuten ist Hypnose ein sanftes, wirkungsvolles Werkzeug mit sehr geringem Risiko.
Die größte Gefahr entsteht, wenn du auf Laien triffst, die nicht erkennen, wann Hypnose kontraindiziert ist – oder nicht wissen, wie man mit starken emotionalen Reaktionen professionell umgeht.

Dr. Dieter Eisfeld
Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP), Verhaltenstherapie (VT), Hypnotherapie (MEG/DGH), Systemische Paar- und Familientherapie, NLP, EMDR, MPU, Suchttherapie.
Psychologische Praxis Hamburg-Mitte ©
Tel: (+49) 40 - 43 26 36 56
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