Frau sitzt nachdenklich mit dem Smartphone in der Hand und schaut zur Seite – Trypophobie-Selbsttest zur Angst vor Löchern

Trypophobie-Selbsttest: Angst vor Löchern erkennen

Ein Bienenwabenmuster auf einem Foto. Der Schaum auf dem Kaffee. Die Poren eines Schwamms. Für die meisten Menschen sind das belanglose Anblicke. Andere spüren dabei sofort eine Gänsehaut, ein Ziehen im Bauch, den dringenden Wunsch wegzuschauen.

Dieses Phänomen trägt den Namen Trypophobie – die Abneigung gegen Ansammlungen kleiner Löcher. In diesem Beitrag finden Sie einen Selbsttest zum Einschätzen der eigenen Reaktion, eine Einordnung dessen, was bislang bekannt ist, und Hinweise darauf, was im Alltag helfen kann.

Ein Hinweis vorab: Auf dieser Seite finden Sie bewusst keine Bilder von Lochmustern. Wenn Sie betroffen sind, können Sie hier gefahrlos weiterlesen.

Was Trypophobie bedeutet

Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern trypa (Loch) und phobos (Furcht) zusammen. Wörtlich heißt er also Angst vor Löchern – was die Sache allerdings nicht ganz trifft.

Denn nach heutigem Kenntnisstand steht bei den meisten Betroffenen nicht Angst im Vordergrund, sondern Ekel und Unbehagen. Aus diesem Grund gilt Trypophobie in der Fachwelt überwiegend nicht als eigenständige Angststörung, sondern als Aversion. Sie ist auch in den gängigen Diagnosesystemen nicht als eigene Diagnose geführt.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass die Reaktion eingebildet wäre. Sie ist real und messbar. Und in einzelnen Fällen – wenn ausgeprägte Angst, körperliche Alarmreaktionen und Vermeidungsverhalten hinzukommen – kann die Einordnung als Phobie durchaus gerechtfertigt sein. Dann ähnelt sie anderen spezifischen Phobien wie der Angst vor Spinnen.

Selbsttest: Wie stark reagieren Sie?

Gehen Sie die folgenden zehn Aussagen durch und zählen Sie, auf wie viele davon Sie mit Ja antworten würden. Denken Sie dabei an Situationen der vergangenen Monate.

  1. Beim Anblick dicht beieinanderliegender kleiner Löcher wird mir körperlich unwohl.
  2. Ich bekomme dabei Gänsehaut, Juckreiz oder ein Kribbeln auf der Haut.
  3. Mein Herz schlägt schneller oder mir wird leicht übel.
  4. Ich muss sofort wegschauen und kann den Anblick nicht aushalten.
  5. Das Bild geht mir danach noch längere Zeit nicht aus dem Kopf.
  6. Ich meide bestimmte Lebensmittel, Gegenstände oder Orte deswegen.
  7. Ich scrolle in sozialen Medien vorsichtig, um solchen Bildern zu entgehen.
  8. Ich habe schon Bilder oder Videos abgebrochen, weil die Reaktion zu stark wurde.
  9. Die Reaktion tritt auch bei harmlosen Dingen wie Schaum oder Brot auf.
  10. Meine Reaktion belastet mich im Alltag oder ist mir unangenehm gegenüber anderen.

So lässt sich das Ergebnis einordnen

Anzahl JaEinordnung
0 bis 2Eine leichte Abneigung, wie sie sehr viele Menschen kennen. Kein Anlass zur Sorge.
3 bis 5Eine deutliche Empfindlichkeit. Meist gut auszuhalten, gelegentlich störend.
6 bis 8Eine ausgeprägte Reaktion mit körperlichen Begleiterscheinungen. Ein Gespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt kann sinnvoll sein.
9 bis 10Eine starke Reaktion, die den Alltag beeinflusst. Professionelle Begleitung ist zu empfehlen.

Wichtig: Dieser Selbsttest ist eine Orientierungshilfe, keine Diagnose. Eine Einschätzung, die wirklich trägt, kann nur eine Ärztin, ein Arzt oder eine psychotherapeutische Praxis im persönlichen Gespräch geben.

Welche Muster die Reaktion auslösen

Es sind nicht große einzelne Öffnungen wie ein Gullydeckel oder ein Brunnen. Ausgelöst wird die Reaktion von dicht gedrängten Mustern kleiner Löcher oder Beulen – in der Bildwissenschaft spricht man von hoher Raumfrequenz.

Typische Auslöser stammen aus dem ganz normalen Alltag: Bienenwaben, Luftpolsterfolie, der Schaum auf Kaffee oder Seife, die Poren eines Badeschwamms, eine Küchenreibe, bestimmte Brötchen und Käsesorten, Samenstände mancher Pflanzen, poröses Mauerwerk.

Am stärksten reagieren Betroffene in aller Regel auf Darstellungen, die solche Muster auf menschlicher Haut zeigen. Genau solche Bilder verbreiten sich in sozialen Medien besonders schnell – häufig digital erzeugt und bewusst als Schockbild eingesetzt.

Wie häufig und wie spürbar

Frau legt eine Hand auf das Brustbein und atmet bewusst – körperliche Symptome bei Trypophobie

Eine viel zitierte Untersuchung aus dem Jahr 2013 fand bei 46 von 286 Befragten Anzeichen einer trypophoben Reaktion – rund 16 Prozent. Darüber hinaus empfinden auch viele Menschen ohne ausgeprägte Reaktion solche Muster immerhin als unangenehm. Vieles spricht dafür, dass die Empfindlichkeit weiter verbreitet ist, als es das seltene Wort vermuten lässt.

Berichtet werden dabei sehr unterschiedliche Begleiterscheinungen:

  • Gänsehaut, Juckreiz, Kribbeln auf der Haut
  • Übelkeit und Schaudern
  • Herzrasen, Schwitzen, Zittern
  • Augenschmerzen oder ein Flimmern beim Hinsehen
  • in starken Fällen Panikreaktionen
  • Vermeiden von Situationen, in denen solche Bilder auftauchen könnten

Woher diese Reaktion kommen könnte

Frau geht ruhig auf einem grünen Waldweg im Morgenlicht – mögliche Ursachen der Trypophobie als alter Warnreflex

Die Forschung steht hier noch am Anfang. Drei Erklärungsansätze werden derzeit diskutiert.

Der Warnreflex vor Giftigem. Etliche giftige Tiere und Pflanzen tragen genau solche Muster auf Haut oder Blättern. Eine automatische Abwehrreaktion hätte demnach einmal das Überleben gesichert. Gegen diese Deutung spricht, dass die Reaktion sich meist erst im Erwachsenenalter zeigt und bei Kindern kaum vorkommt.

Der Schutz vor Krankheit. Ansammlungen von Löchern und Beulen ähneln dem Erscheinungsbild ansteckender Hauterkrankungen und von Parasitenbefall. Ekel ist in diesem Zusammenhang eine sinnvolle Schutzreaktion – er hält uns von Verdorbenem und Ansteckendem fern.

Die Anstrengung für das Auge. Ein neuerer Ansatz kommt ohne Evolutionsgeschichte aus: Muster dieser Art verlangen dem visuellen System besonders viel ab. Das Unbehagen wäre dann schlicht die Folge einer visuellen Überlastung. Das würde erklären, warum manche Betroffene von Augenschmerzen und Flimmern berichten.

Bemerkenswert ist ein Befund zur körperlichen Reaktion: Bei echter Angst schaltet der Sympathikus auf Alarm – Kampf oder Flucht. Bei trypophoben Reizen zeigte sich hingegen eher eine Aktivierung des Parasympathikus, der typischerweise mit Ekel einhergeht. Das stützt die Einordnung als Aversion.

Was im Umgang damit helfen kann

Frau entspannt mit Kopfhörern und geschlossenen Augen auf einem Sessel – Anspannung bei Angstreaktionen lösen

Bei leichter Ausprägung braucht es meist nichts weiter als das Wissen, dass die Reaktion harmlos und verbreitet ist. Wer stärker betroffen ist, findet mehrere Ansätze.

Verhaltenstherapeutische Verfahren. Bei spezifischen Phobien gelten Konfrontationsverfahren als bestuntersuchter Weg. Sie werden schrittweise und in fachlicher Begleitung durchgeführt – nicht im Alleingang, denn eine ungesteuerte Konfrontation kann die Reaktion verstärken.

Entspannungsverfahren. Wer gelernt hat, körperliche Anspannung bewusst zu regulieren, erlebt Auslöser häufig als weniger überwältigend. Atemübungen, autogenes Training und Hypnose setzen an dieser Stelle an.

Umgang mit sozialen Medien. Ein großer Teil der Belastung entsteht heute beim Scrollen. Es hilft, entsprechende Konten stummzuschalten, Suchbegriffe zu blockieren und automatisches Abspielen von Videos abzuschalten.

Und ein Satz, der wichtiger ist als alles andere: Bitte lassen Sie sich nicht einreden, das sei albern. Wer stark reagiert, hat es mit echter körperlicher Belastung zu tun. Dass ein Phänomen wenig erforscht ist, macht es nicht kleiner.

Ruhe finden bei Angst und Anspannung

Ein Audio-Programm eigens für Trypophobie gibt es bislang nicht – dafür ist die Datenlage zu dünn. Was jedoch häufig entlastet, ist die Arbeit an der körperlichen Anspannung, die solchen Reaktionen zugrunde liegt.

👉 „Angst & Panikattacken“ von Dr. med. Dieter Eisfeld, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begleitet Sie dabei, körperliche Alarmreaktionen ruhiger werden zu lassen.

👉 „Innere Ruhe finden“ vermittelt tiefe Entspannung als Grundlage – ein guter Einstieg, wenn Anspannung Ihr Alltagsthema ist.

Wenn Ihre Reaktion Sie im Alltag spürbar einschränkt, sprechen Sie bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt. Über unser Kontaktformular erreichen Sie uns für ein erstes Gespräch.


Hinweis: Der Selbsttest auf dieser Seite dient der Orientierung und ersetzt keine Diagnose. Die genannten Audio-Programme dienen der Entspannung und persönlichen Weiterentwicklung und ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Praxis.

Autor: Dr. med. Dieter Eisfeld – Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, klinischer Hypnose-Therapeut, Hamburg
Dr. med. Dieter Eisfeld – Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg
Dr. med. Dieter Eisfeld
Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP), Verhaltenstherapie (VT), Hypnotherapie (MEG/DGH), Psychoonkologie (PSO), Systemische Paar- und Familientherapie, NLP, EMDR, MPU, Suchttherapie.

Psychologische Praxis Hamburg-Mitte ©
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