Milton Erickson – vom Gelähmten zum größten Hypnotherapeuten unserer Zeit




Der amerikanische Psychiater Milton H. Erickson (1910 – 1980) gilt als Begründer der modernen Hypnotherapie. Er entwickelte zahlreichen innovative therapeutische Verfahren und Methoden und beeinflusste wichtige Theoretiker und Praktiker seiner Zeit.

Milton Erickson wuchs im mittleren Westen der USA als ältester von acht Kindern auf einer Farm auf. Mit 17 Jahren erkrankte er an Kinderlähmung, lag tagelang im Koma und man glaubte anfangs, er würde die Krankheit nicht überleben. Als er erwachte, war er zunächst vollständig gelähmt und konnte nur noch seine Augen bewegen. In diesem Zustand begann Milton Erickson, mit seiner Vorstellungskraft zu experimentieren.

Gefesselt an seinen Schaukelstuhl konzentrierte er sich auf minimale Bewegungen, die er immer wieder mental durchlebte. Diese Imagination – oder wie man später sagen würde: Selbsthypnose – machte es möglich, dass gelähmte Muskeln nach und nach wieder funktionstüchtig wurden. Mentale Visualisierung als Beginn eines Therapie-Ansatzes. So kam er allmählich zu Kräften und nutzte die Gelegenheit, auf diese Art weitere Muskeln zu trainieren, bis er wieder auf Krücken gehen konnte.

Aus diesen Erfahrungen heraus entwickelte Erickson später Methoden für Rehabilitation von Schlaganfall-patienten und Patienten mit ähnlich gelagerten Problemen. In den Monaten seiner Bewegungsunfähigkeit entwickelte Erickson außerdem eine ungewöhnliche Fähigkeit zur Wahrnehmung der non-verbalen Signale anderer Menschen, was ihm später in der Arbeit mit seinen Klienten sehr zu Gute kam

Erickson studierte Psychologie und Medizin, kam früh in Kontakt mit Hypnosetechniken und erarbeitete neue Methoden, die erstmals individuell einsetzbar waren. Als Arzt durchlief er verschiedene Positionen in verschiedenen Krankenhäusern, wurde Facharzt für Psychiatrie, Direktor für Forschung und Ausbildung und später Professor für Psychiatrie an der Universität in Detroit. Später praktizierte er als Psychotherapeut und Psychiater in eigener Praxis. Er gründete die American Society for Clinical and Experimental Hypnosis und war Herausgeber des American Journal of Clinical Hypnosis. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel und Fachbücher zur Psychotherapie und Hypnose.

Immer wieder war Erickson durch gesundheitliche Probleme eingeschränkt. So erkrankte er mit 51 Jahren an einem Post-Polio-Syndrom und litt den Rest seines Lebens an wiederkehrenden Krankheitsschüben. Mit 68 Jahren gab er seine Reisetätigkeit auf, behielt aber seine private Praxis. Die letzten Jahre seines Lebens hielt er in seinem Haus in Arizona seine berühmten Lehrseminare.

Erickson verstarb 1980 im Alter von 78 Jahren und arbeitete bis eine Woche vor seinem Tod.

Schon zu Lebzeiten hatte sich Erickson den Ruf eines Meisters der Hypnose erworben und die Auffassung von Hypnose revolutioniert. Er war immer der Überzeugung, dass therapeutische Verfahren und die eingesetzten Techniken und Methoden auf die Besonderheiten des Klienten/Patienten auszurichten seien. In seinen Lehrgeschichten wird deutlich, wie einzigartig er mit jedem seiner Klienten arbeitete, und sich ganz auf sie einstellte. Spezifische Persönlichkeitseigenschaften, Fähigkeiten, Lebenserfahrungen und Erinnerungen werden dabei derart aktiviert, dass sie dem Klienten zur Realisierung seiner eigenen Ziele verhelfen Ericksons Ansatz zielt darauf, starre Denkmuster aufzulösen, indem der Hypnotherapeut es dem Unbewussten durch spezielle Techniken ermöglicht, eine führende Rolle einzunehmen. So soll dem Bewusstsein ermöglicht werden, unbewusste Selbstheilungskräfte und kreative Ressourcen zu nutzen. Die Hypnotherapie zu einer eigenen therapeutischen Schule zu machen lehnte Erickson immer ab. Er favorisierte einen integrativen Ansatz, bei dem der Therapeut aus einer Vielzahl verschiedener Methoden und Techniken diejenigen nutzt, die dem Patienten dienen und sich auf die Bedürfnisse des Patienten orientiert.

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